Die Karte ist eine Bühne und eine Warnung. Ein geschnitzter Steinblock steht in der Mitte, erhoben, als wäre er für eine Statue, doch leer von Götzen. Zwei Ketten liegen schlaff über seinem Fuß, weder verschlossen noch festgehalten, nur ruhend. Darüber brennt eine Flamme in einer verbeulten Messingfackel, von der Art, die man in einem alten Bergwerk oder einer Kathedralengruft finden könnte, wo die Luft nach alter Erde und Weihrauch riecht. Die Fackel anzublicken heißt zu sehen, wie ein einzelner Punkt Licht alle Augen zieht, Wärme und Erhellung verspricht und doch den Betrachter wagt, zu nah zu greifen.
Begehren ist nicht nur eine Kette. In alten Mythen lockte das Versprechen glänzenden Schatzes Suchende in tiefe Höhlen, wo Adern eines bestimmten Metalls sich durch Quarz und Granit zogen und jedes Flackern des Lampenlichts fingen. Diese Suchenden brachen Steine mit Spitzhacken aus der Erde, heimgesucht von Träumen von Königreichen und Kronen. In den Falten der Geschichte stiegen und fielen ganze Städte durch die Hoffnung, gefunden in Flussbetten, wo Wäscher Schlamm und Wasser in den Händen wendeten und selbst nach einem Hauch von etwas Kostbarem suchten. Die Fackel auf der Karte ist ein Gefährte des Bergmanns, brennt lange Stunden in Stollen, wo Licht zugleich Werkzeug und Versuchung ist.
An der Oberfläche wird das Begehren nach mehr zur Zeremonie. In großen Hallen fangen Teller und Kelche das Kerzenlicht, ihre Oberflächen ziseliert und gehämmert von geschickten Händen. Diese Gegenstände zu besitzen heißt, sowohl Stolz als auch Gefahr zu kennen, denn der Glanz des Tisches wirft die eigenen Begierden zurück. An Festtagen wird Brot gebrochen, und Kuchen werden bestäubt mit Flocken, gezogen aus fernen Ländern, vorbehalten für geehrte Gäste. Hier hallt die Flamme der Fackel im Glühen des Herdes wider, wo schwere Töpfe blubbern und dampfen, Behagen versprechen und doch immer fragen, was genügen wird.
Doch das Begehren muss keine Falle sein. Die Ketten auf der Karte sind locker, leicht abzustreifen mit einem Blick und einer Drehung des Handgelenks. In den Geschichten, erzählt von Händlern, die zwischen sonnengebleichten Städten reisen, geht Metall von Hand zu Hand als Münze und Versprechen, doch es ist die Übereinkunft, der Handschlag, der Blick in die Augen, der wahrhaft bindet. In der Bibliothek eines Klosters fangen illuminierte Seiten das Licht, und der Glanz der Tinte ist ein Ruf zu lesen, zu lernen, über Oberfläche und Glanz hinauszusehen.
Wetter kann herabdrücken wie Gier, schwer und glänzend zugleich. An Mittsommernachmittagen auf offenen Feldern oder an den Rändern von Bergen lodert der Himmel, und jeder Halm wilden Grases scheint von zurückgeworfenem Glanz Feuer zu fangen. Hirten blinzeln im Gehen, kennen den Segen und die Gefahr eines Tages, an dem die Welt zugleich erhellt und bloßgestellt ist. Die Fackel wird weniger gebraucht, doch die Erinnerung an ihre Flamme bleibt.
Heute könnte eine Person ein liebgewonnenes Kleinod polieren, bis es glänzt, und sich an die Hände erinnern, die es machten, und an die Augenblicke, die es gesehen hat. Sie könnte für sich eine Kette flechten, locker genug, um freizukommen, eine Erinnerung an Wahlmöglichkeiten. Sie könnte einen Brief bei Kerzenlicht schreiben und die Worte Ambitionen spiegeln lassen, die nah gehalten werden. Oder sie könnte am Mittag gehen und die Hitze der Sonne an Sehnsucht und Freiheit zugleich erinnern lassen.
Die Glücksfarbe von heute ist Gold.
Lucky Color: Gold — #FFD700Begehren ist eine Fackel; die Hand, die sie hält, entscheidet, wohin sie scheint.